Kochsendungen

7 07 2011

Gestern habe ich etwas gemacht, was ich zuhause, nie mache: Ich habe ferngesehen. In der Glotze liefen Kochsendungen (genauso schlimm wie zu hause), ein paar englische Serien, die mich nicht interessierten, eine Sendung über die typischen Klischees gegenüber Nordnorwegern mit dem Typen, der auch die Doku über die E6 gemacht hat, und eine norwegische Doku über die Privatisierung des Gesundheitswesens nach US-Vorbild in vielen europäischen Ländern, mit Experten aus Großbritanien, Norwegen und Island.

Besonders interessant in dieser Doku: Der IWF (der darin als die „Polizei des kapitalistischen Systems“ bezeichnet wird), fordert in Island Privatisierungen im öffentlichen Sektor, auch im Gesundheitswesen. Und das, obwohl das US-amerikanische Gesundheitssystem, das hier als Vorbild dienen soll, eines der teuersten der Welt ist. Im Grunde geht es darum, dass Island sein „Tafelsilber“ an private Investoren verscherbeln soll. Über das norwegische Gesundheitssystem weiß ich sehr wenig, außer, dass hier auch viel Outsourcing an die Privatwirtschaft gemacht wird. So gab es in diesem Jahr z.B. einen Skandsl mit Adecco und massiven Verstößen gegen das Arbeitsrecht…

Gestern ist mir in der Stadt ein Sticker aufgefallen, der aussah wie ein „Vorfahrt gewähren“-Schild, auf dem etwas von staatlicher Bevormundung stand. In Foren behaupten tatsächlich einige Trolle, Norwegen sei ein „kommunistisches“ Land (Leute, bitte macht eure Hausaufgaben!). Solche Parolen und Kampfbegriffe erinnern an das Geseier eines Guido Westerwelle und seiner Partei der Hoteliers und Steuerhinterzieher.

Die norwegische Steuersenkungs- und Sozialabbaupartei ist übrigens die Frp (Fremskrittspartiet – Vortschrittspartei). Diese übernimmt auch gleichzeitig die Rolle der „fremdenfeindlichen Partei aber ohne Glatzen und Hakenkreuze“, die sich die ganzen Sarrazin-Fans in D wünschen (nein, nicht die CSU – die ist viel zu „linksliberal“, um sowas wie genetische Fingerabdrücke von muslimischen Eunwanderern zu fordern … obwohl: Ich bin im Moment nicht so auf dem Laufenden, was unser neuer Innenfriedrich so vom Stapel gelassen hat … Der ist fast noch schlimmer als Siv Jensen!). In der Frp ist also zusammen, was zusammengehört. Diese Partei hat das Potential, in der nächsten Legislaturperiode mitzuregieren und weiter kaputtzumachen, was hier im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern vergleichsweise gewaltfrei erreicht wurde…

Übrigens: Wenn ich mich nicht irre ist das Büro der Frp hier in Oslo im selben Gebäude wie die Direktion der Olav Thon Hotelkette. Das ist ja wie FDP und Mövenpick unter einem Dach! Da muss man die Schwarzgeldkoffer nicht so weit tragen. Clever…

Ich sitze übrigens auch gerade in einem der Thon-Hotels (die „Budget“-Version) und wollte hier längst raus sein. Zeit zu packen…



Planlos in Oslo

6 07 2011

Mein Aufenthalt in Oslo ist eher zweckmäßig. Ich will hier einkaufen, Klamotten waschen und einen Zug erwischen. Trotzdem habe ich 24 Stunden Zeit. Das reicht für ein paar Unternehmungen.

Leider bin ich völlig ohne Plan hierher gekommen. Ich habe mir über die Tourist Info irgendein Hotel suchen lassen. „Budget Accomodation“ ist mir heute zu kompliziert, und die Ersparnis es nicht wert.

Das Hotelzimmer ist preis-leistungsmaßig ein Rückschritt gegenüber dem Hostel in Rjukan. Das heißt, es ist kleiner und teurer. Die versprochene Waschmaschine gibt es hier nicht. Ich kann nur um 9 Uhr meine Klamotten abholen lassen und würde sie um 17:00 gewaschen zurückbekommen. Mein Zug geht um ca. 15:00.

Wenigstens findet die Rezeption für mich einen Münzwaschsalon (Ullevålsveirn 15, ca. 1 km vom Stortorvet entfernt, also leicht zu Fuß zu erreichen, wenn man zentral wohnt). Dort zahle ich doppelt, weil es keine Anleitung für den Bezahlautomaten gibt, nur einen Hinweis, dass man bei Fehlbedienung sein Geld nicht wiederbekommt. Die Zeit überbrücke ich mit einem Kebabteller nebenan. Weder das Lokal, noch das Essen sieht appetitlich aus. Das Fleisch hat die Konsistenz von gerösteten Semmelknödeln. Wenigstens das Timing passt: Der Döner ist verputzt, und gleichzeitig ist die Waschmaschine fertig.

Zum Schlafen ist es viel zu früh, der Himmel ist fast wolkenlos, und es ist sommerlich warm. Ich gehe ein wenig in Oslo spazieren und setze mich am Hafen in die Sonne, um mein Blog weiterzuschreiben.

Oslo ist eine einzige Baustelle. Der Bahnhof ist dicht, und es verkehren Schienenersatzbusse von Drammen bis Lillestrøm.

Zu sehen gibt es hier noch genug, aber mir tun von gestern noch die Füße weh. Vielleicht fahre ich heute noch auf den Holmenkollen.

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Jedes mal, wenn ich auf den Holmenkollen will, ist die T-Bane außer Betrieb. Und das Ticketsystem nervt. Billiger, wenn man an einer von drei Verkaufsstellen im Voraus kauft. Das skaliert doch nicht!

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Ich werde Oslo lieber morgen unsicher machen. Vielleicht kriege ich hier ja irgendwo ein Fahrrad..



Ein Hoch auf unsern Busfahrer…

6 07 2011

Busfahrer, Busfahrer … Aber wo hält der Bus eigentlich? Die Auskunft an der Rezeption im Hostel war schon etwas diffus. Aber noch schlimmer sind die Wegweiser „Rutebilstasjonen“ in Rjukan, die in alle verschiedenen Richtungen zeigen, wie eine Kompassnadel am Nordpol. Ich frage zwei Taxifahrer und bekomme vier widersprüchliche Auskünfte. Es regnet Hunde und Katzen während ich mit meinem Rucksack durch die Stadt irre.

Da ich sicher nicht der letzte bin, der versucht, aus Rjukan rauszukommen: Der Bus hält mindestens an der Rutebilstasjon auf der Südseite des Flusses (keine Angst, der Kompass funltioniert hier), gegenüber von Hostel, Kiwi und Taxistation und nochmal am Markt, und dann noch zigmal. Man kann ihn kaum verfehlen.

Wieder einmal sitze ich den halben Tag im Bus. Der Rjukanekspressen fährt zunächst neben der alten Eisenbahnlinie her, die von Rjukan bis zur Küste führt. Züge fahren hier keine mehr, nur Touristen mit gemieteten Tresinen.

Über den See Tinnsjø wurden früher die Züge mit zwei Fährschiffen transportiert, der „Ammonia“ und der „Hydro“. Die „Ammonia“ ist angeblich die letzte erhaltene dampfbetriebene Eisenbahnfähre der Welt und kann heute besichtigt werden. Die „Hydro“ wurde 1943 von den Saboteuren gesprengt, da sie das schwere Wasser aus Vemork abtransportieren sollte. Dabei gingen auch Unschuldige mit drauf…